Die Geschichte unserer Loge

Im 21. Jahrhundert

2020 Wegen der weltweiten Covid-19 Pandemie stellten wir unsere Arbeit, sofern sie mit Zusammenkünften verbunden ist, im März bis zum Ende des Maurerjahres ein. Ein Johannisfest konnte auch in unserer Loge nicht gefeiert werden. Wir sehen der Wiederaufnahme unserer maurerischen Arbeit im September entgegen. Die Aufnahme neuer Mitglieder steht bevor.

Die Logenbibliothek und das Logenarchiv wurden wiedererweckt. Im Zuge dessen fanden sich: Ein Schreiben von (unserem Namensgeber) Landgraf Carl zu Hessen-Kassel mit Siegel und Unterschrift, datiert auf den 27. Juni 1817; Eine Urkunde mit Unterschrift und Siegel des Großherzogs von Hessen Ludwig II. als Protektor aus dem Jahr 1846; Ein handgeschriebenes “Instruktionsritual für neu aufgenommene Lehrlinge”, datiert 12. Februar 1859; Die Trauerloge für den Bruder, deutschen Kaiser und König von Preußen Friedrich III. aus dem Jahr 1888. Die Besetzung der vakanten Ämter des Logenbibliothekars und Logenarchivars soll diese ersten Schritte dauerhaft verfestigen.

2019 wird das alte Logensiegel wiederentdeckt, behutsam modernisiert und fortan wieder verwendet. Dafür stehen wir: Eine zeitgemäße Umsetzung bewährter geistiger Inhalte und Techniken. Freimaurerei ist keine verstaubte Traditionspflege, sondern ein lebendiges Netzwerk, welches sich – allem politischen, gesellschaftlichen und technischen Wandel zum Trotz – eine besondere Eigenständigkeit bewahrt. Nicht abgesondert, sondern mitten im Leben, arbeiten und wirken Brüder. Mit einem Besuch bei der Partnerloge Kilwinning in Schottland endete das Jahr.

2016 feierte die Loge ihr 200. Jubiläum.

2001 zählte die Loge 30 Mitglieder.

Im 20. Jahrhundert

1967 besiegelte die Loge die Partnerschaft mit der Lodge Mother Kilwinning No. 0, der ältesten Loge der Welt.

Seit 1967 (und bis heute) Fördermitglied des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth.

1960 wurde der Loge Carl zum aufgehenden Licht die Ehrenmitgliedschaft bei der Johannisloge Aufwärts zum Licht verliehen.  Eine am 17. Januar 1960 unterzeichnete Urkunde dokumentiert den Beschluss vom 6. Januar 1960. Sie räumt dem Meister vom Stuhl das Recht ein, das Bijou der Loge zusätzlich zum eigenen zu tragen.

1948 Zusammenschluss und Beitritt in die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland.

Seit dem 3. Januar 1948 (und bis heute) Einzelmitgliedschaft beim Freien Deutschen Hochstift.

1947 wurde der Loge die Lizenz zur Wiederaufnahme der freimaurerischen Arbeit erteilt.

1938 trafen sich die Brüder im Lokal “Frauenhof”.

1934 erfolgte die Beschlagnahmung des Logenhauses durch SS und Gestapo.

1928 Am 8. Januar erfolgte die Lichteinbringung der befreundeten Loge ‘Aufwärts zum Licht’ im Logenhaus von ‘Carl’.

1916 feierte die Loge ihr 100. Jubiläum.

1905 zählte die Loge 257 Mitglieder.

Im 19. Jahrhundert

Der Logengründung geht die Einsetzung der Direktorialloge “Carl zur aufgehenden Sonne” voran. Sie stellt später die Bearbeitung des 4. Grades (Schottischer Meister) und des 5. Grades (Altschottischer Meister) sicher.

Am 19. Dezember 1816 eröffneten neun Brüder in der Frankfurter Wohnung des Franz Josef Molitor die Tätigkeit der Loge “Carl zum aufgehenden Licht”. Namen und Datum waren bewusst gewählt: der Gründungstag war der 72. Geburtstag des (nicht-regierenden) Landgrafen Carl von Hessen-Kassel, Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein für das Königreich Dänemark.

1816 zählte die Loge 53 Mitglieder.

Der erste Meister vom Stuhl wurde Br. Severus, der bereits einmal Meister der Loge “Zur aufgehenden Morgenröthe” gewesen war. Erst am 17. August 1817 wurde in der Logenversammlung die Ankunft des Constitutionsbriefes und des Gesetzbuches angezeigt, deren Zusendung durch Erkrankung des Landgrafen verzögert war.

Am 20. Oktober 1817 erfolgte die erste Aufnahme eines Profanen zum Freimaurerlehrling.

1822 übernahm die Loge die Verwahrung der Akten der Schwesterloge “Friedrich zum Nordstern” i. Or. Homburg v. d. H., welche aufgrund politischer Rahmenbedingungen das Licht löschen musste, d. h. ihre Tätigkeit einstellte.

1825 übernahm Bruder Molitor den ersten Hammer, d. h. er wurde gewählter Meister vom Stuhl.

1831 wurde der Unterstützungsfond für Witwen und Waisen gegründet.

1836 Tod des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel im Alter von 92 Jahren. Erst ab diesem Zeitpunkt schwindet der Einfluss der Schottenloge (4. Grad) und altschottischen Direktorialloge (5. Grad).

1840 erfolgte ein erster Beitritt zum Eklektischen Bund, einem für die Geschichte der deutschen Freimaurerei bedeutenden Zusammenschluss von Logen, welcher, nach entschlossenen Unstimmigkeiten über die Ritualfreiheit und das Fortführen der Schottengrade, 1850 erneuert wurde.

Seit 1841 lautet das lateinische Motto der Loge “UT OBSCURA REDDAM CLARA”, also “Auf dass ich das Verborgene klar mache”.

Am 1. Dezember 1844 gründen die Logen Carl zum aufgehenden Licht, Johannes der Evangelist zur Eintracht (in Darmstadt) und die Freunde zur Eintracht (in Mainz) die ‘Große Freimaurerloge Zur Eintracht’. Diese bekannte sich zu ihrer Nähe zu den drei altpreußischen Großlogen.

27. Februar 1846 Großherzogs Ludwig II. von Hessen beurkundet die Gründung der Großloge “zur Eintracht” und das Protektorat für selbige. Die Urkunde mit Unterschrift und Siegel befindet sich noch heute im Archiv der Loge.

1846 fasste die Loge den Mehrheitsbeschluss auch nichtchristliche Brüder Maurer zu allen Arbeiten zuzulassen.

1850 erfolgte der erneute Beitritt zum Eklektischen Bund.

Am 23. März 1860 verstarb Bruder Molitor.

1871 wurde das Logenhaus am Mozartplatz errichtet, welches 1945 vollständig zerstört wurde.

7. Juli 1888 Trauerloge “zum ehrenden Gedächtnis an den heimgegangenen (d. h. verstorbenen) Br. (d. h. Bruder) Se (d. h. Seine) Majestät den deutschen Kaiser und König von Preußen Friedrich III.” im Tempel der Loge Carl zum aufgehenden Licht.

Interessant bis kurios:

Eine Gründungsveranstaltung des Freien Deutschen Hochstifts wurde in den Räumlichkeiten der Loge Carl zum aufgehenden Licht abgehalten am 23. Oktober 1859. Quelle: Science and Societies in Frankfurt am Main, von Ayako Sakurai. Zitat: “The founding meeting took place in the freemasons’ lodge ‘Carl zum aufgehenden Lichte’ on 23 October 1859. Of the fifty-six men who answered Volger’s call, forty-one were Frankfurt residents, fifteen foreigners. The statutes, drafted and accepted 2 November 1859, were published and announced in newspapers on the day of the Schiller Festival.”

Deutsche Meisterschaften im Mannschaftsfechten (Florett, Säbel, Degen) wurde veranstaltet vom Fechtclub ‘Hermannia e. V.’ in den Räumen der Loge am 27. August 1926. Quelle: Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main.

Sonderarchiv Moskau / Fondarchiv, Eintrag Nr. 766: 1957 an DDR abgegeben (Bestand der) Johannisloge “Carl zum aufgehenden Licht”, Frankfurt/Main.

Der Architekten- und Ingenieur-Verein widmet in seinem 2012 erschienenen Buch ‘Frankfurt und seine Bauten’ unserem alten Logenhaus ein Kapitel: “Die Loge Carl am Mozartplatz”.

Der Grabstein Molitors ist heute Bestandteil des Logengrabes auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, wofür er innerhalb des Friedhofs eigens seinen Platz wechselte.

Die Loge fördert, neben dem karitativen Wirken, auch folgende Institutionen: Freies Deutsches Hochstift (seit 1948), die Forschungsloge Quatuor Coronati, das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth (seit 1967).

Berühmte Mitglieder:

Rudolf Burnitz (1788-1849): Als ein deutscher Architekt des Klassizismus und frühes Historismus gehörte er zu einer kleinen Gruppe von Architekten, die das klassizistische Frankfurter Stadtbild des 19. Jahrhunderts prägten. Sein bekanntestes Werk wurde der 1842/43 errichtete Burnitzbau des Saalhofes, heute ein Teil des Historischen Museums der Stadt.

Fürst Ernst Casimir I. zu Ysenburg und Büdingen (1781 – 1852) nahm als großherzoglicher-hessischer Brigadegeneral auf Seiten der alliierten anti-napoleonischen Truppen an den Befreiungskriegen gegen das napoleonische Frankreich teil. Er wurde in den Mitgliederverzeichnissen der Loge als Ehrenmitglied aufgeführt.

Johann Adam Beil (1790-1852): Senator der Freien Stadt Frankfurt und hessischer Geheimer Hofrat. 1825 wurde er Mitglied der gesetzgebenden Versammlung und 1826 Senator. Als solcher führte er eine neue Friedhofsordnung ein, und ließ den Frankfurter Hauptfriedhof errichten, der 1828 eröffnet wurde. Nach ihm ist die Rat-Beil-Straße im Frankfurter Nordend benannt.

Georg Eduard Steitz (1810-1879): Ein deutscher evangelischer Theologe und Historiker. Pfarrer und – nach der Annexion der Freien Stadt Frankfurt durch das Königreich Preußen – Konsistorialrat der Frankfurter Landeskirche. Weiterhin trat er als Historiker und Biograph in Erscheinung. Er gehörte dem Vorstand des Frankfurter Vereins für Geschichte und Altertumskunde an, für dessen Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst er als Autor tätig war.

Karl Julius Grätz (1843-1912): Ein deutscher Kunstmaler, bekannt durch seine Kirchenausmalungen, u. a. im Frankfurter Kaiserdom. Seinen besonderen regionalen Ruhm gewann er durch seine Deckenausschmückungen in der Frankfurter Paulskirche (im zweiten Weltkrieg zerstört), seine Deckensanierung des Kaisersaales im Römer, sowie sein heute noch existierendes Großmosaik des Erzengel Michael am Rathausturm ‘Langer Franz’.

Georg Ludwig Bangel (1850-1925): Antiquar in Frankfurt a. M., wurde 1877 aufgenommen und war mehrere Jahre Stuhlmeister der Loge. 1907-1913 zugeordneter Großmeister des Eklektischen Bundes. Ein Vertreter der pazifistischen Richtung und nach dem Krieg aktiv um die Aussöhnung zwischen deutschen und französischen Freimaurern bemüht.

Karl Wilhelm Erich Körner (1866-1951): Ein deutscher Maler, zeitweise Erster Vorsitzender der Frankfurter Künstlergesellschaft. Er portraitierte zahlreiche hochgestellte Persönlichkeiten des geistigen und gesellschaftlichen Lebens. Seine Werke befinden sich im Braunschweigischen Landesmuseum, im Städtischen Museum Braunschweig und in privatem Besitz.

Freiherr Gustav Wilhelm Viktor von Kóczián-Miskolczy (1877-1958): Oberleutnant des Dragoner Regiments Nr. 13 in Klatta (Klavotny). Erhielt das Offizierskreuz des Franz-Josefs-Ordens und das Eiserne Kreuz Erster Klasse durch den deutschen Kaiser.

Literatur:

Mehr über den Gründer der Loge, Molitor, und die Loge selbst bieten folgende Publikationen:

Franz Joseph Molitor und die jüdische Tradition: Studien zu den kabbalistischen Quellen der “Philosophie der Geschichte”, verfasst von Katharina Koch, erschienen 2006 im Verlag Walter de Gruyter.

Geschichte der christlichen Kabbala, Teil 3, verfasst von Wilhelm Schmidt-Biggemann, erschienen 2012 im Verlag Frommann-Holzboog.

Festschrift zur 150. Gründungsfeier der Johannisloge Carl zum aufgehenden Licht, verfasst von Bruder K. P., erschienen 1966.

Annalen der Loge Carl zum aufgehenden Licht 1891 – 1916, verfasst von Br. Ludwig Bangel, erschienen 1916.

Annalen der Loge Carl zum aufgehenden Licht 1816 – 1891, verfasst von Br. Emil Wenz, erschienen 1891.